Zentrale Wettbewerbe

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Zentrale Wettbewerbe - das Treffen der Teilnehmer an einem Ort zum sportlichen Vergleich - sind faktisch so alt, wie die Segelfliegerei selbst. Mit dem Ende des ersten Weltkriegs war es Deutschland verboten, motorisierte Flugzeuge zu entwickeln und zu bauen. Was also blieb den Flugbegeisterten nach 1918? Wenn wir mit Motor nicht fliegen dürfen, dann fliegen wir eben ohne. So begannen erste Entwicklungen von Segelflugzeugen.

Die Anfänge: Der Rhön-Segelflugwettbewerb

1920 war dann das erste Jahr, in dem der Rhön-Segelflugwettbewerb abgehalten wurde. Dieser fand auf der Wasserkuppe statt, mit dem Ziel Gleitflugzeuge und Gleitleistungen zu vergleichen. Gestartet wurde mit dem Gummiseilstart, bei dem das Flugzeug gegen den Wind hangabwärts katapultiert wird. Sieger war die FVA-1, das erste Flugzeug der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen mit einer Gleitstrecke von 1,83km. Segelflug konnte man das damals kaum nennen, mehr Gleitflug. Dennoch markierten diese Wettbewerbe den Übergang vom reinen Gleitflug zum Segelflug mit der Nutzung von Aufwinden und Streckenflug in den Dreißigerjahren.

Der Vampyr der Akaflieg Hannover auf der Wasserkuppe 1922

Mit den immer besser werdenden Flugzeugen, bei denen der Großteil der Innvoationen aus den schon damals existierenden Akafliegs kam, wurden auch bald Strecken über 100km und mehr geflogen. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs endeten dann die Rhön-Segelflugwettbewerbe. Wer es genauer wissen will: Hier der Wikipediaartikel.

Zentrale Streckenflugwettbewerbe heute

Heute zählt beim Streckenflugwettbewerb nicht mehr die geflogene Gleitstrecke, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit. Dazu wird eine abzufliegende Strecke von der Wettbewerbsleitung vorgegeben, die es so schnell, wie möglich zu absolvieren gilt. Die Dokumentation geschieht heute, vergleichbar zum dezentralen Fliegen, mit elektronischen Datenloggern. Dabei gibt es zwei Grundtypen:

1. Rennaufgabe (Racing Task)

Bei der Rennaufgabe werden eine Anzahl Wendepunkte fest vorgegeben, die zu umrunden sind. Sieger ist, wer nach Beendigung der Strecke die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit geflogen ist. Bei dieser Aufgabe bietet es sich demzufolge an, die Wendepunkte möglichst eng zu umrunden, um die Flugstrecke möglichst kurz zu halten.

Aus Gründen von schwierigem Wetter oder um den Piloten einen etwas höheren Anspruch zu geben, gibt es noch eine zweite Art der Aufgabe, die bei der Wahl der Wendepunkte mehr Freiheit gewährt:

2. Assigned Area Aufgabe (AAT)

Bei der AAT werden statt fester Wendepunkte Wendegebiete festgelegt, in denen mindestens ein Punkt des Datenloggers liegen muss, um eine gültige Wende zu haben. Zudem ist eine Mindestflugzeit vorgegeben, die zwischen Abflug und Ankunft vergangen sein muss. Ziel bei dieser Aufgabe ist es, mindestens die Mindestflugzeit zwischen Abflug und Ankunft geflogen zu sein, alle Wendesektoren berührt zu haben und dabei die höchste Schnittgeschwindigkeit zu erreichen. Dieser Aufgabentyp ist dahingehend anspruchsvoll, da er eine genaue Strategie erfordert. Meist ist die Flugdauer zu kurz, wenn alle Wendesektoren nur "angekratzt" werden. Dann wird die geflogene Strecke durch die Mindestzeit geteilt, was die Schnittgeschwindigkeit deutlich reduziert. Daher bietet es sich an, Wendesektoren mit gutem und schnellem Wetter weit auszufliegen, um die Schnittgeschwindigkeit nach oben zu kommen und Wendesektoren mit schlechtem Wetter nur anzukratzen.

Wind, Tageszeiten und Gelände spielen dabei auch eine Rolle, wie man die erreichbaren Schnitte einschätzt. Strategie und Taktik für AATs sind eine Wissenschaft für sich - zu viel um das in so ein paar Zeilen zu quetschen. Bei den Wettbewerbspiloten genießt die AAT einen geteilten Ruf - eben weil mehr Verantwortung beim Piloten liegt und man nicht nur eine vorgegebene Strecke "stumpf abfährt" ;-)

Ablauf eines Wettbewerbstages

Ein zantraler Wettbewerbsflugtag ist meist gut gefüllt. Deswegen und auch für im Wettbewerb meist unvermeidliche Rückholtouren nach Außenlandungen ist ein Helfer zwingend notwendig. Meist beginnt der Tag um 0700 mit einem schnellen Kaffee. Dann folgt das Aufbauen des Flugzeugs, Cockpit vorbereiten, Wasserballast tanken und das Flugzeug in die Startreihe schieben. Dann kommen Frühstück unf Briefing. Auf dem Briefing wird die zu fliegende Aufgabe präsentiert und fliegerische Hinweise für den Tag für alle Teilnehmer verkündet. Es endet mit der Bekanntgabe der Startbereitschaft.

Briefing...

Mit der Startbereitschaft werden die Teilnehmer in die Luft befördert. Dies passiert bei fast allen Wettbewerben mit einem Flugzeugschlepp auf 600m, da die Thermik so am besten angeflogen werden kann. Ab und an werden aber auch Juniorenwettbewerbe an der Winde durchgeführt. Sind alle Teilnehmer einer Klasse oben, wird 20min nach dem letzten Start die "Abfluglinie" geöffnet, d.h. die Teilnehmer können losfliegen. Frühere Abflüge gelten nicht, um auch dem Teilnehmer, der als letztes gestartet ist, eine Chance zum Steigen in der Thermik zu geben.

Gemeinsames Kreisen vor dem Abflug

Der Zeitpunkt des Abfluges kann dann von den Piloten frei gewählt werden. Ist das Wetter anspruchsvoll oder rechnet man mit einer Verschlechterung, fliegen die meisten sofort los. Ist dagegen mit einer Wetterverbesserung im Laufe des Tages zu rechnen, kann der Abflug schon ein Taktikspiel werden. Klar ist, wer früh abfliegt, fliegt allein, während ein Pilot, der später abfliegt, die früheren als "Thermikbojen" benutzen kann und entsprechend bessere Chancen auf einen höheren Schnitt hat. Für den Abflug werden dann meist mehrere Linien fefiniert, die von jeder Klasse in Kursrichtung zu überfliegen sind, um einen gültigen Abflug zu haben.

Für den Zielanflug werden heute meist Zylinder mit einer Mindesthöhe von 200-300m und einem Durchmesser von 3km verwendet. Wird in diesen Zylinder eingeflogen, ist der Flug und damit die Wertung vorbei. Hintergrund ist, die Teilnehmer dazu zu bringen, mit einer Mindesthöhe am Platz anzukommen, damit sie danach noch problemlos und stressfrei landen können. Einflüge unterhalb der Mindesthöhe des Zylinders sind strafpunktbewert. Dieser Sicherheitaspekt kommt daher, dass früher das Ziel meist auf dem Flugplatz lag und keine Mindesthöhe hatte, so dass dadurch extrem knappe Anflüge oder Hochgeschwindigkeitüberflüe provoziert waren. Beides hatte icht wenige Unfälle zur Folge, was seitdem verhindert ist.

Nach der Landung wird dann das Flugzeug von der Bahn geholt und schnellstmöglich der Logger ausgelesen und die Datei an die Wettbewerbsleitung übergeben. Früher war das immer noch aufwendig, heutzutage ist das in Zeiten von Smartphones sogar vom Acker aus bei der Außenlandung möglich. Danach folgen Flugzeug waschen, ausräumen, abbauen und in den Anhänger packen und ein Bier zur psychischen Flugbewältigung ;-)

Vergleichsfliegen oder Meisterschaft?

Einen Einstieg in die Welt der zentralen Segelflugwettbewerbe bieten die zahlreichen Vergleichsfliegen, die von vielen Vereinen teilweile seit langer Zeit durchgeführt werden. Dabei spielt neben dem sportlichen Vergleich insbesondere das Heranführen von Neulingenund das gesellige Zusammensein eine große Rolle. Die ausgeschriebenen Strecken werden dabei auch gern auf die Bedürfnisse von Neulingen angepasst, so dass dabei niemand ernsthaft überfordert oder mit schwierigem Wetter konfrontiert mit.

Starterfeld auf dem Vergleichsfliegen Wilsche

Diese Tradition existiert auch bei uns. Gemeinsam mit dem Fliegerclub Bronkow wird jedes Jahr das Vergleichsfliegen Wilsche-Bronkow durchgeführt, auf der der halbe Verein jeweils teilnimmt und und nicht wenige ihre ersten Erfahrungen auf Streckenflugwettbewerben gemacht haben. Wen es interessiert: Hier findet Ihr ein paar Berichte aus den letzten Jahren... Wilsche 2015, Bronkow 2016, Wilsche 2017

Wer nach den ersten Erfahrungen größere Herausforderungen sucht, kann dann auch an Qualifikationsmeisterschaften teilnehmen. Diese öffnen dann den Weg zur Deutschen Meisterschaft oder gar zur Weltmeisterschaft. Im LSV freuen wir uns über eine aktive Streckenfliegergruppe, die regelmäßig an Qualifikations- und Deutschen Meisterschaften teilnimmt. Tassilo Bode war zudem schon öfters auf Weltmeisterschaften in der offenen Klasse in Texas oder Australien.