Schempp-Hirth Arcus M D-KKGF "GF"

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Heutzutage geht der Trend im Segelflug immer mehr zu Segelflugzeugen mit Motorisierung, wie sich anhand der verkauften Maschinen der verschiedenen Hersteller leicht ablesen läßt. Dem wollten wir uns auch nicht verschließen, als wir nach einem Ersatz der DG500 gesucht haben, die wir 2014 noch besaßen. Also wurden verschiedene Alternativen diskutiert, was für Flugzeuge man den dafür heranziehen könnte. Nach langen Diskussionen haben wir uns mit großer Mehrheit für den Arcus M des Herstellers Schempp-Hirth entschieden. Im April 2015 war es dann soweit, daß wir ihn mit dem Kennzeichen D-KKGF erhalten haben.

Der Arcus in voller Schönheit

Mit einer Spannweite von 20m, einem modernen Profil und Flügelgrundriß, Wölbklappen und einem eigenstartfähigen Motor im Rumpf ist dieses Gerät geradezu prädestiniert für lange und weite Überlandflüge. Insbesondere das Vorhandensein des Motors wird uns ein völlig neues Anwendungsspekrum des Flugzeugs ermöglichen, das mit einem reinen Segelflugzeug so nicht realisiert werden kann. Das beginnt bei einem deutlich verringerten Außenlanderisiko, wodurch man sich eher einmal traut, auch am Sonntag bei mäßigem Wetter mal vom Platz wegzufliegen. Sonst hatte man da meist den Montag im Hinterkopf und viele wollen dann einfach keine zeitraubende Rückholtour riskieren (auch wenn die gerne mal unvergeßliche Erlebnisse mit sich bringen, die man auch nach Jahren noch gern erzählt ;-)

Der Arcus vor der Halle

Auch unter der Woche zu fliegen wird so deutlich einfacher, da kein Schlepper von der Arbeit abgehalten werden muß. So können deutlich mehr gute Wetterlagen umso einfacher genutzt werden. Für Wandersegelflug bietet die Eigenstartfähigkeit ebenfalls ungeahnte Möglichkeiten, da man so von jedem Flugplatz auch wieder wegkommt. Wenngleich es dieses Jahr damit noch nichts geworden ist, sind wir uns sicher, daß das noch kommt. 

Im Cockpit selbst sind wir mit ebenso der Zeit gegangen. Moderne Avionik und Instrumentierung auf dem Stand der Zeit lassen keine Wünsche offen. Zudem ist auch ein Transponder verbaut, mit dem man vielleicht mal in der Welle Freigaben bekommt, die sonst nicht so einfach erteilt werden. Ansonsten sind auch die aus den anderen Vereinsflugzeugen bekannten Buchsen vorhanden, mit denen die üblichen Navigationsgeräte mit Strom und Daten versorgt werden können.

Vorderes Cockpit des Arcus

Nicht zuletzt haben wir uns auch bewußt für einen Doppelsitzer entschieden. Erstens macht Überlandfliegen zu weit auch großen Spaß, nicht zuletzt bietet jedoch die Kombination aus zwei Besatzungsmitgliedern die Möglichkeit, daß unerfahrenere Piloten von einem erfahrenen Flieger oder Fluglehrer an neue Situationen und Umgebungen herangeführt werden können. Die ersten Überlandflüge, Gebirgs- oder Welleneinweisungen lassen sich so super bewerkstelligen. Auch in anspruchsvoller Umgebung bietet der Doppelsitzer durch Arbeitsteilung die Möglichkeit, viel mehr aus einem Flug herauszuholen.

 

Ein Porträt vom Arcus

Fliegerisch läßt sich der Arcus einfach nur als Spaßgerät bezeichnen. Die Flugeigenschaften sind sehr harmonisch, die Ruderwege und -Kräfte ausgeglichen und als sehr angenehm zu bezeichnen. Durch die ebenfalls mit dem Querruder über die gesamte Spannweite überlagerte Wölbklappe erlangt das Flugzeug eine Wendigkeit, die man gefühlt eher bei einem Einsitzer erwartet. Man hat nicht den Eindruck, 20m Spannweite mit einer Abflugmasse zwischen 750 und 800kg durch die Thermik zu wuchten. Eigentlich hat man nach ein paar Stunden Flugzeit das Gefühl, in einem altbekannten Gerät zu sitzen.

A propos Abflugmasse, diese merkt man dem Flugzeug sofort an. Durch die sehr hohe Flächenbelastung gleitet der Arcus durch die Luft, als ob man ein heißes Messer durch die Butter bewegen würde. Insbesondere bei gutem Wetter erlaubt das enorme Durchschnittsgeschwindigkeiten. Nachteilig ist die hohe Masse bei mäßigem Wetter, da der Höhengewinn dann etwas schwerer fällt. Durch die Wölbklappe wird das jedoch zu einem Großteil kompensiert.

Einkurven in den Endanflug

Auch beim Landen ist spürbar, wie die Masse "schiebt" und man sich so deutlich an die empfohlenen Anfluggeschwindigkeiten halten sollte, da sonst der Gleitweg merklich zunimmt. Mit etwas Gefühl geht es aber trotzdem, den Arcus punktgenau auf den Platz zu setzen. 

Ausschweben...

Im Vergleich zu den anderen Vereinssegelflugzeugen hat der Arcus jedoch einige Unterschiede. Erstens gibt es da zwei Hebel mehr: Den Gashebel vom Motor und die Wölbklappe. Die wollen beide adäquat bedient werden. Zum Anderen ist der Arcus mit einer deutlich höheren Flächenbelastung unterwegs. Um den Einstieg für die Piloten in das neue und leistungsfähige Flugzeug für die Mitglieder zu vereinfachen und diese entsprechend vorzubereiten, haben wir uns in mehreren Veranstaltungen auf ein Einweisungsprogramm verständigt, das jeder erst einmal absolviert haben muß, bevor mit dem neuen Flugzeug eigenständig geflogen werden kann. Basis ist eine theoretische Einweisung mit dem Studium des Handbuches, um mit den Prozeduren und Grenzen des Systems vertraut zu werden. Danach stehen noch mehrere Einweisungsflüge an, in denen einerseits das Handling, andererseits insbesondere der Umgang mit dem Motor und entsprechende Notsituationen mehrfach trainiert werden. Bevor mit dem Arcus dann überlandgeflogen werden kann, sind noch mindestens zehn Platzrunden zu absolvieren, um Routine in den Start und die Landung zu bringen.

Inzwischen haben wir auch schon eine Reihe von Piloten erfolgreich eingewiesen, so daß sich das Flugzeug schon des Öfteren die Gegend von oben ansehen konnte. Insbesondere ein Flug sticht dabei heraus: die erste 1000km Strecke von Nico und Dennis, die es vom Flugplatz Wilsche aus gegeben hat.

Zu Hause nach 1005km...

Wer nun denkt, solch ein Flugzeug wird nur im Sommer betrieben, der irrt. Im Winter kommt eine ganz andere Truppe an Segelfliegern auf ihre Kosten - die Wellenflieger. So hat sich der Arcus auch da schon beweisen dürfen, wie weit er in die Atmosphäre klettern kann. In Tschechien geht es im Altvatergebirge in die Wellen und auch am Harz, quasi direkt vor der Haustür, kann man bis in große Höhen fliegen.

Aussicht aus 5200m über dem Harz...

Bisheriger Höhenrekord ist ein Flug von Tom und Martin in den französischen Seealpen, wo beide unverhofft eine kräftige Welle ausgraben und dann über den Wolken noch Strecke fliegen konnten. Dabei ging es bis Flugfläche 193, was knapp 6000m über dem Meeresspiegel entspricht. Auch davon ließen sich wieder wunderbare Fotos aufnehmen... Einen besonders schönen Ausblick gab es dann noch beim Abstieg unter die Wolken.

Sonnenstrahlen beim Abstieg aus der Welle in Frankreich