Blockmeisterschaft Segelkunstflug 2025

Geschrieben von Webmaster am .

Im Wechsel mit der Deutschen Segelkunstflugmeisterschaft finden alle zwei Jahre die Landesmeisterschaften im Segelkunstflug statt. Aufgrund der Teilnehmerzahl wird die zumeist als Blockmeisterschaft aller Länder ausgerichtet, so dass es eine deutschlandweite Wertung sowie eine Landeswertung gibt. Dieses Jahr war der Förderverein Segelkunstflub Bayern der Organisator. Als Veranstaltungsort haben sie den Flugpatz Friesener Warte herausgesucht. Erst haben wir uns schon gewundert, Friesen? Das verbindet man eher mit einem Ort an der Küste, aber tatsächlich gibt es einen kleinen Ort mit diesem Namen in der Fränkischen Schweiz etwas südöstlich von Bamberg. Dort fand vom 22.07.-26.07. die Blockmeisterschaft statt.

Es ist Montag, der 21.07., als sich Steffen, Martin und David vom LSV Gifhorn auf die Reise nach Süden begeben. In der "Gebrauchsanweisung" standen interessante Details zum Flugplatz Friesener Warte. Der liegt direkt auf einem Bergrücken in der Fränkischen Schweiz und man schrieb, dass es dort kein fließendes Wasser gibt, keinen Strom und man sich an konkrete Anfahrwege zu halten hat. Na das kann ja interessant werden, also los. Steffen und David kamen mit Wohnobil und dem Swift im Anhänger recht gut voran und oben auf dem Platz an. Und Martin? Der kam aus einer anderen Richtung mit dem Wohnwagen am Audi, da er noch wen besuchte. In der Hektik der Abreise und Anfahrt dachte er dann, der rote Weg im Bulletin wäre derjenige, den es zu fähren gälte. Das hätte bis auf 50m auch fast funktioniert, das Gespann durch bessere Wanderwege durch die fränkischen Berge zu lancieren, aber das letzte Stück war dann doch zu steil. Durchdrehende Räder und die für die Kupplung überlebenswichtige Einsicht, dass man mit der Gespannmasse nicht am Berg anfahren kann, ließen ihn dann zur Erkenntnis kommen, doch besser rückwärts wieder herunterzufahren. Möglich gewese wäre es, aber dann war der WEg um den Berg herum dennoch der etwas bessere... Schlussendlich kommen wir alle bei Sonnenschein und erträglichen reichlich 20°C oben an und bauen die Technik auf.

Unser Camp: Wohnmobil und Wohnwagen aufgestellt

Kurze Zeit später als wir von der Hangkante den Blick ns Tal genißenen, bekommen wir die Gewitterlinie auch direkt zu Gesicht, die man schon eine Weile im Radar sehen konnte. Mit einer Böenfront vom Feinsten kommt sie langsam, aber sicher gezogen. Shelf Cloud nennt sich das Ungetüm und ist das sichtbare Zeichen einer Böenfront, die einem Gewitter vorausläuft.

Eine beeindruckende Böenwaze kommt auf den Flugplatz zu

Wie immer stellt sich dabei ein charakteristischer Verlauf des Windes ein. Erst weht der noch in Richtung der auf uns zulaufenden Front, da selbige thermisch aktiv ist und die bei uns vorhandene Warmluft an der Böenlinie aufsteigt. Kurz bevor die Böenwalze ankommt, hat sich der Ablösepunkt der Warmluft schon leewärts verlagert und es gibt einen kurzen Moment der Windstille, indem komplette Ruhe herrscht - die oft zitierte Ruhe vor dem Sturm. Danach dreht sich die Windrichtung, da es unter der Böenwalze schon die durch den Niederschlag induzierten kalten Fallswinde sind, die dann dominieren und ab und an unwetterartig alles verwüsten können. Meist sind es nur wenige Minuten, bis Niederschlag und Böen beginnen. Zum Glück kamen keine starken Winde auf, so dass bei uns nichts zu Bruch ging.

Der Moment der Windstille...

Eine Stunde tobt sich das Wetter mit viel Regen aus, bis uns die Rückseite begrüßt. Einen schönen Sonnenuntergang bekommen wir dann noch zu sehen.

Rückseite mit Sonnenuntergang

Dienstag ist offiziell der letzte Trainingstag für die Meisterschaft. Leider bleibt uns das blöde Wetter erhalten, was wir schon tags zuvor hatten. Tiefe Wolken und viel Regen lassen keine Hoffnung aufkeimen, dass es heute noch Betrieb in der Box gibt. Da bleibt viel Zeit, vom Flugplatz aus ins Tal zu schauen, so viel Basishöhe bekommen wir wenigstens 

Aussicht ins Tal vom Flugplatz

Der Wettersituation zum Trotz halten wir uns zurück, gleich am Nachmittag mal zu schauen, wie die lokalen Biere hier schmecken. Franken ist ja mehr oder minder das globale Zentrum der Braukunst... Grund dafür ist, dass wir die Zeit zum Einkaufen nutzen. Gegen Nachmittag hebt es dann noch ein wenig mehr an, so dass wir Optionen diskutieren, wie man sich die Box in Vorbereitung des Wettbewerbes einmal von oben ansehen kann. Dafür ein Segelflugzeug in den Schlepp zu nehmen erscheint wenig zielführend, also nehmen wir das Angebot gern an, mit der vereinseigenen FK9 einmal die Box abzufliegen. Obwohl es nur 1000ft Basis unter den Wolken hat, bekommt man so einmal alles zu sehen. Es wird spanend, da die Ladschaft bergig ist und wegen Wald nur wenige Boxmarkierunten gelegt werden konnten. Na gut, ist so.

Abends erledigen wir dann noch in einer zum Briefing- und Essensraum umfunktionierten Garage die Figurenauswahlen für die unbekannten Programme und finden ein flauschiges Tier, das da plötzlich an der Wand entlangrennt. Das sieht irgendwie aus, wie ein etwas zu heiß gewaschenes Eichhörnchen. Etwasa grauer und kleiner kann man sich den Gedanken kaum verkneifen... In der Tat handelt es sich dabei um Siebenschläfer, die zahlreich in den Eichenwäldern leben. Auch die wurden uns als neugiereige Genossen bereits im Briefing angekündigt, deretwegen man Türen an den Campingeinrichtungen besser geschlossen halten sollte. Das offene Tor in Kombination mit dem Geruch des Abendessens hat das possierliche Tierchen offenbar nicht in der Eiche halten können. Auch mein Fotografieren nahm es zutraulich hin, man kam auf weniger als einen halben Meter heran  

Ein knopfäugiger Siebenschläfer schaut um die Ecke

In den Folgetagen startet dann der Wettbewerb und wir bekommen wenigstens so viel besseres Wetter, dass wir nacheinander die Durchgänge fliegen können. Ab und an müssen wir einmal wegen tiefer Wolken Pause machen. Die dauert dann bisweilen auch etwas länger, wenn die Sonne zu lange scheint. Die labile Luft baut dann schnell große Gewitter auf. Glücklicherweise bleiben die am Donnerstag lange neben dem Flugplatz auf den anderen Hügeln hängen.

Riesige Gewitterzellen

Abends ist es dann oft unser Camp, in dem sich die Meute sammelt.

Vesper am Nachmittag

Später packen wir dann mit den Petromaxen die gemütlichste Beleuchtung aus, die man sich fürs Campiung vorstellen kann. Dabei werden die Abende selten lang, da die besten Wetterbedingungen früh morgend herrschen, wenn die Luft noch klar ist und keine Thermikwolken in der Box hängen.

Abend im Schein der Petromaxen

Schlussendlich bekommen wir genügend Programme für eine gültige Wertung absolviert. In der Unlimitedlasse, in der wir alle fliegen, haben wir vier von sechs maximal möglichen Programmen fliegen können. Am Ende hat sich unser Vereinsmitglied Steffen Engel souverän auf dem Treppchen auf Platz zwei positionieren können. Lediglich im letzten Flug ist ihm Robin Kemter mit einer geringfügig besseren Wertung beim "gestoßenen Käseeck" ein paar Punkte enteilt.

Besondere Freude für Steffen ist, dass er jetzt in der Rangliste ein gutes Stück nach oben rutsch, so dass davon auszugehen ist, dass er jetzt direkt für die Nationalmannschaft in der Unlimitedklasse qualifiziert ist. Damit stellt der LSV Gifhorn jetzt mit Martin, der sich über den Deutschen Vizemeister letztes Jahr qualifiziert hat und Steffen zwei Nationalmannschaftsmitglieder im Segelkunstlug!

Die Platzierten in der Unlimited (vl): Steffen (Platz 2), Robin Kemter (PLatz 1) und Michael Spitzer (Platz 3)

Foto Lars Reinhold, aerokurier

Wie eingangs angesprochen gibt es auch noch eine Landeswertung für das Land Niedersachsen. Die wurde vollständig von unseren drei Vereinsmitgliedern Steffen, Martin und David auf den ersten drei Plätzen dominiert.

Die Platzierten in der Niedersachsenwertung: Martin, Steffen und David

Nach der Siegerehtung gibt es am Samstag noch die Abschlussparty in der Doppelsitzerhalle der Friesener Warte. Wir lassen uns Schnitzel und ein über offenem Feuer gebratenes Schwein sowie die lokalen Bierspezialitäten schmecken und denken gar nicht daran, schlafen zu gehen. Der Grund ist nicht nur der Spaß an der Feier, sondern der Regen, der sich draußen seit Stunden austobt und den Platz mal wieder in ein Fußbad verwandelt. Immerhin läuft das Wasser jedoch den Berg herunter... Erst gegen 1 löst sich die Runde langsam auf...

Am Sonntag Morgen steht bei uns nur noch Zusammenpacken und die Heimfahrt an. Leider macht das mit dem Regen, der weiterhin ab und an fällt, wenig Vergnügen, da Markisen, Vorzeilte und alles mögliche andere Zeugs patschnass sind. Beim Blick in die Landschaft führt das Wort "Sommer" irgendwie zu kognitiven Dissonanzen...

Nebel und Spinnennetze mit Wassertropfen. Oktober? November? Nein, eigentlich Juli...

Beim Blick in die andere Richtung können wir kaum die Anhänger sehen, so neblig ist es.

Nebelpampe

Abgebaut werden muss dennoch, dann müssen wir die Dinge eben zu Hause trocknen

Camp abbauen...

Etwas nach 11 sind wir abflugbereit und verlassen die Friesener Warte für den Heimweg. SChlussendlich können wir nur sagen Danke an den lokale Verein und die Organisatoren. Erst haben wir noch wer weiß was erwartet, wie abenteuerlich das wird. Die Wasserversorgung mit dem Trecker und kubikmetergroßen Tanks haben sie ohne Ausfälle hinbekommen und nachdem der FI Schalter für den Campingplatz gebrückt war fiel der Strom auch kaum noch aus. Der dicke Dieselgenerator hatte genug Leistung für unsere Utensilien. Nach einer etwa sechsstündigen Fahrt - natürlich wieder mit viel Regen unterwegs - sind wir dann wieder in Braunschweig angekommen.